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Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Neumarkt

42 Schülerinnen, 4 Stunden, zahlreiche Ideen und vor allem ganz viel Müll

Eine kleine Gruppe von Schülerinnen der Fachschule hat sich an zwei Nachmittagen intensiv mit dem Thema Müll auseinandergesetzt.

Schülerin mit Glasflasche und Stofftasche
Schülerin mit Glasflasche und Stofftasche

Kein gewöhnlicher Anblick eines Klassenraumes in einer Schule, doch die Schülerinnen der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Neumarkt haben Großes vor.

Inspiriert von zahlreichen Initiativen zum Klimawandel, welche weltweit die Schlagzeilen füllen, wurden in diesem Schuljahr die Schulversammlungen ins Leben gerufen. Jeder Monat wird einem neuen Thema gewidmet, zu welchem sich die Schülerinnen, gemeinsam mit der gesamten Schulgemeinschaft, Gedanken machen, Ideen sammeln und kleine und große Projekte entwickeln. Dieser Monat stand ganz im Fokus des Mülls. Woher kommt der Müll, wie kann er vermieden werden und ist Müll gleich Müll? Es wurden die verschiedensten Ideen gesammelt, zusammengetragen und künstlerisch umgesetzt.

1. Schluss mit Plastikflaschen – Trinkt aus Glasflaschen.

Man kann und will sich vermutlich gar nicht vorstellen, was die eben gekaufte Plastikflasche alles in ihrem Leben erleben wird – ihr Leben ist nämlich sehr lang. Laut unserer Recherche dauert das Leben einer Plastikflasche 450 Jahre lang, rund 5,7 mal das Durchschnittsalter eines Menschen in Europa. Das Leben einer Plastikflasche endet dann aber auch nicht mit dem Verrotten, so wie die Banane, die wir morgens zum Frühstück verzehren. Plastikflaschen werden durch Winde, Wellen und anderen Umwelteinflüssen zerrieben, werden demnach lediglich in immer wieder kleinere Teile zersetzt und sind somit nie völlig aus der Welt. Doch glücklicherweise gibt es dazu schon eine Alternative, die obendrein auch leicht umzusetzen, nachhaltig, gut für die Geldbörse und die Umwelt ist – Willkommen Glasflasche.

2. Upcycling – Man kann aus vielem Alten, so viel Neues machen. Seid kreativ!

Upcycling – schon lange kein neuer Begriff mehr. Abfallprodukten und scheinbar nutzlosen Gegenständen wird neues Leben eingehaucht – Aus Alt mach Neu, lautet die Devise. Dazu erfordert es mittlerweile auch keine allzu große kreative Ader mehr. Das World Wide Web bietet auch für die Einfallslosen unter uns zahlreiche Ideen. Von Gartenmöbeln aus Europaletten, zu Blumentöpfen aus ausrangierten Gummistiefeln, bis hin zu Regalwänden aus alten Apfelkisten - die Kreativität kennt ja bekanntlich keine Grenzen.

3. Reparieren statt neu kaufen.

Omas altes Fahrrad, das nun wirklich schon seit einiger Zeit im Keller steht – unbenutzt, mit plattem Reifen, rostiger Klingel und hartem Sattel. Weder ein Genuss zum Fahren noch fürs Auge und das technische Talent für die Reparatur fehlt auch – ab zum Alteisen. Stopp! Vermeide das Entsorgen von alten Gegenständen und versuche sie zu reparieren. Zahlreiche sogenannte „Repair Cafè“, zu Deutsch „Reparatur Cafè“, findet man mittlerweile in vielen Südtiroler Gemeinden. Sie bieten die nötigen Expertisen, das nötige Werkzeug und Spaß macht‘s obendrein auch noch. So erstrahlt Omas altes Fahrrad in neuem Glanz und wer weiß, vielleicht kommt dabei das eine oder andere wertvolle Schmuckstück zum Vorschein.

4. Stoff statt Plastik – benutze deine Stofftaschen zum Einkaufen.

Es gibt sie in vielen Farben und Formen, selbstgemacht oder gekauft, es gibt sie seit etlichen Jahren und doch muss ihr neues Leben eingehaucht werden – die Stofftasche. Stellt euch vor, jeder hätte einen schönen Stoffbeutel, mit nettem Spruch darauf oder einen schlichten braunen Jutebeutel einfach so in der Tasche oder im Auto, immer griffbereit. Es wäre so kinderleicht auf Plastiktaschen zu verzichten, es Bedarf nur ein wenig an Organisation. Und manchmal darf man auch ein wenig mutig sein und einen Korb mit zum Einkauf nehmen.

5. Zeigen wir Mut zur Hässlichkeit – auch Krüppelgemüse will gegessen werden.

Was passiert mit der krummen Gurke, der dreibeinigen Karotte oder dem deformierten Apfel? Noch bevor sie die Regale der Gemüseabteilung füllen dürfen, werden sie aussortiert. Rund ein Drittel des Gemüses wird weggeschmissen, aber nicht aufgrund des Geschmackes, der Frische oder der Verunreinigung, lediglich aufgrund des Aussehens. Wir finden nicht nur, es wäre amüsant und lustig mal eine dreibeinige Karotte zu sehen oder einen Apfel in Form einer Erdbeere, es wäre uns auch egal, diese zu verarbeiten und zu essen. Wir zeigen Mut zur Hässlichkeit und kaufen Krüppelgemüse!

6. Qualität vor Quantität.

Immer häufiger locken große Lebensmittelketten und die Kleidungsindustrie mit wahrhaftig günstigen Angeboten. Nimm 3 zahl 2, ab 4 Stück noch günstiger, heute minus 50% usw. und immer wieder lassen wir uns von solchen Angeboten verleiten mehr zu kaufen, als wir eigentlich benötigen. Und genau das sollten wir vermeiden. Weniger kaufen, heißt weniger entsorgen. Lasst uns doch beim nächsten Rabatt-Wahnsinn nochmal gut überlegen, ob wir wirklich die XXL-Packung brauchen oder ob wir uns heute doch lieber die fairtrade Schokolade mit Orangenstücken leisten.

7. Sharing is caring – Tauscht Bücher an öffentlichen Bücherregalen!

Was macht man mit ausgelesenen Büchern? Man kann sie entweder ins Bücherregal neben dem Fernseher stellen und sich jedes Mal beim Staubwischen ärgern, wie viele alte und nutzlose Staubfänger man doch so über die Jahre gesammelt hat, oder man überlässt sie der Straße. Sogenannte öffentliche Bücherregale machen dies möglich. Alte, gelesene Bücher können gegen ein noch nicht gelesenes Buch ganz einfach ausgetauscht werden. So macht man nicht nur Leseratten Freude, sondern freut sich auch selbst beim nächsten Wohnungsputz.

8. Spart Papier! Verwendet nicht bedruckte Seiten als Schmierblätter!

In der Zeit des technischen Fortschritts wird Papier immer mehr durch digitale Medien abgelöst. Der klassische Notizblock wir durch die neue Memo-App abgelöst, Briefe werden nicht mehr auf schönes Briefpapier geschrieben, selbst das klassische blaue Schulregister wird nun durch ein Digitales ersetzt. Doch auch im digitalen Zeitalter wird durchaus noch nicht zur Gänze auf Papier verzichtet. Laut WWF werden noch immer täglich Flächen so groß wie 500 Fußballfelder für die Herstellung von Papierprodukten abgeholzt. Eine Möglichkeit dieses verheerende Abholzen einzuschränken, ist das richtige Recyceln von Papier, damit aus Altpapier Neues hergestellt werden kann. Doch nicht jeder von uns muss nun seine hauseigene Altpapierrecyclingstelle eröffnen und sich mit Pappmaché neues Papier herstellen. Wir können uns an einem neuem Ansatz versuchen und probieren Papier doppelt zu nutzen. Nur einseitig bedrucktes Papier beispielsweise als Schmierpapier eine neue Aufgabe zu geben.

9. Akkus statt Batterien.

Ob Akkus, Batterien in Sachen Umwelt wirklich um Längen voraus sind, darüber lässt sich streiten. Doch in einem Punkt siegt der Akku haushoch – in Sachen der Langlebigkeit. Batterien sind Einweggegenstände. Ist der Saft einmal raus, werden sie entsorgt und man kommt nicht dran vorbei eine neue teure Packung zu kaufen, um die Fernbedienung des Fernsehers wieder zum Laufen zu bringen. Natürlich gibt es auch aufladbare Batterien, welche öfters verwendet werden können, doch auch diese schlagen den aufladbaren Akku in keinster Weise. Akkus können mehrere tausendmal verwendet werden und helfen somit nicht nur der Umwelt, dem Geldbeutel, sondern würden auch so manchen ruhigen Fernsehabend retten.

10. Küchenabfälle werden zu wertvoller Erde.

Kompostierung gab es noch bevor es uns Menschen gab. Die Natur ernährt die Natur und das sollte auch durch unser Eingreifen nicht gestört werden. Rund ein Drittel der Haushaltsabfällen können und sollen auf dem Komposthaufen entsorgt werden. Dieser liefert später nicht nur reichhaltige Nährstoffe für die kleinen Salatpflänzchen im eigenen Garten, sondern leistet auch einen beträchtlichen Beitrag zum Umweltschutz. Und schließlich will auch keiner den Regenwürmern die Arbeit wegnehmen.