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Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Neumarkt

„Man darf nie stehenbleiben“ – Martha Ebner über ein Jahrhundert Südtirol

11.06.2025 | Aktuelles

Ein besonderer Besuch in Aldein bei Martha Ebner - eine Frau, die Südtirol geprägt hat und deren Lebensgeschichte ein eindrucksvolles Zeugnis von Mut, Engagement und Weitblick ist

Am Mittwoch, den 4. Mai, hatte die 3. Klasse der Fachschule Neumarkt die Gelegenheit, Martha Ebner persönlich zu treffen. Im Gasthaus Krone in Aldein lauschten die Schüler*innen gespannt ihren Erzählungen und erhielten einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte Südtirols. Die Lebensgeschichte von Martha Ebner, geprägt von Widerstand, politischem Engagement und unermüdlichem Einsatz für Frauenrechte, hinterließ einen tiefen Eindruck bei den jungen Zuhörer*innen. Ihr Appell, niemals aufzuhören zu lernen und stets neugierig zu bleiben, fand großen Anklang.

Aldein – Martha Ebner, geboren 1922 in Bozen, blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Als Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts hat sie nicht nur die dramatischen Umbrüche Südtirols miterlebt, sondern sie auch aktiv mitgestaltet. Noch heute, kurz vor ihrem 103. Geburtstag, ist sie engagiert und voller Tatendrang.

„Wenn man die Vergangenheit nicht kennt, kann man die Zukunft nicht leben“

Mit diesen Worten beginnt Martha Ebner das Gespräch – ein Satz, der ihr Leben prägt. Ihre Schulzeit endete 1939, als sie nach Südtirol zurückkehrte – in eine Region, die durch

die Option tief gespalten war. „Von einem Tag auf den anderen kannte man sich nicht mehr. Es war wie eine Front entstanden“, erinnert sie sich. Die Option, also die Entscheidung zwischen Auswanderung ins Deutsche Reich oder Verbleib in Italien, zerriss Familien und Freundschaften.

Ein Leben im Zeichen des Widerstands und der Bildung

Ihr Onkel, Kanonikus Michael Gamper, war eine zentrale Figur im kulturellen Widerstand. Mit Hilfe internationaler Kontakte baute er die sogenannten Katakombenschulen auf, in denen junge Frauen zu Hilfslehrerinnen ausgebildet wurden – oft unter Lebensgefahr. „So konnte zumindest zum Teil die Sprache erhalten werden“, sagt Ebner. Sie hebt besonders den Mut der Katakombenlehrerinnen hervor, von denen einige verbannt wurden.

Frauen in der Nachkriegszeit: „Es war einfach so“

Die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit beschreibt Ebner nüchtern: „Die Frau hatte nichts zu sagen, durfte gebären, das war der einzige Vorteil.“ Unterdrückung wurde nicht als solche empfunden – es war der gesellschaftliche Normalzustand. Dennoch engagierte sie sich früh politisch, begleitete ihren Mann zu Versammlungen und machte in den 1950er Jahren den Führerschein – ein damals ungewöhnlicher Schritt für eine Frau.

Pionierin für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit

Ebner war Gründungsmitglied von „Frauen helfen Frauen“ und der Südtiroler Krebshilfe. Gemeinsam mit Gebert Deeg, einer der ersten politisch aktiven Frauen Südtirols, setzte sie sich für soziale Anliegen ein. „Frauen sind durch Kinder und Beruf doppelt belastet“, sagt sie, „sie können erst richtig anfangen, wenn die Kinder groß sind.“

Autonomie als Lebensaufgabe

Die Autonomie Südtirols sieht sie als großen Erfolg: „Ohne die Autonomie war jo nix.“ Dennoch warnt sie davor, sich auf Erreichtem auszuruhen: „Man darf nie aufhören, sich zu entwickeln. Es ist ein ständiger Kampf.“ Auch die Schule dürfe nicht „verwässert“ werden, betont sie.

Ein Appell an die Jugend

Zum Schluss richtet sie sich an die junge Generation: „Man muss das ganze Leben lang lernen, man hat nie ausgelernt. Die Welt ist offen – nutzt die Möglichkeiten, bleibt neugierig und denkt positiv.“

Im Bild vorne von links Tanja Messner, Martha Ebner, Alberta Franzelin und Barbara Gruber, hintere Reihe die Schüler der 3. Klasse Agrotourismus und Ernährungswirtschaft und Manuela Unteregger.